Rechnen statt Bohren

Unternehmen in Deutschland:  
C & E Analytik- und Umweltdienstleistungs GmbH, Chemnitz 
Unternehmen in Ungarn:  
Hydrogeologisches Ingenierbüro in Budapest 
 
 

Kurtourismus ist für Ungarn ein Wachstumsmarkt. Hunderttausende Gäste - darunter sehr viele Deutsche - werden alljährlich von über 1.000 Thermalquellen angelockt. Etliche wurden in den 60er und 70er Jahren bei der Suche nach Erdöl eher versehentlich erschlossen und erwiesen sich durchaus als heilsam. Was aber geschieht mit dem Thermalwasser nach dem Bade?

In Deutschland müssen Thermalwässer wieder in jene Erdschichten zurückgebracht werden, denen sie entstammen. Das geschieht über aufwändige Bohrungen, der Fachmann spricht von Reinjektion. Den EU-Neulingen ist es aus verständlichen Gründen nicht möglich, praktisch über Nacht ebenfalls diese Kreislauftechnologie anzuwenden. Deshalb fließen allerorten gewaltige Mengen heißen Wassers samt enthaltener Mineralien, Spurenelemente, aber auch Salze und Schwermetalle weiter an der Oberfläche ab und damit direkt in die Natur. Bodenerwärmung, beeinträchtigte Ernten, mutierte Teichrosen oder unbekannte Fischarten in Bächen sind nur Symptome bislang kaum näher untersuchter ökologischer Langzeitfolgen.

Einen ersten Schritt zur Beantwortung der vielen offenen Fragen unternehmen jetzt Wissenschaftler der Chemnitzer C & E Analytik- und Umweltdienstleistungs GmbH gemeinsam mit Spezialisten eines hydrogeologischen Ingenieurbüros in Budapest und Rechentechnik-Partnern in Dortmund im Rahmen eines PRO INNO-Projekts. Gemeinsam wollen sie ein datenbankgestütztes Bewertungsmodell für geothermische Standorte im Balatonland erarbeiten. Ziel ist eine qualitative Bewertung der Umweltbelastungen; ferner sollen Zweckmäßigkeit und Kosten von Reinjektionsbohrungen miteinander verglichen werden.

Zunächst entnahmen die ungarischen Partner, zu denen der Kontakt im Jahr 2003 über das Netzwerk Internationale Technologiekooperation, insbesondere durch Vermittlung des Budapester Büros von intecnet zustande kam, an drei Standorten zahlreiche Analyse-Proben. Die in Chemnitz bei der Laborsimulation komplexer thermochemischer Prozesse gewonnene Datenfülle wird mathematisch zu einem ständig wachsenden Vorhersagemodell aufbereitet. Perspektivisch soll es sogar qualifizierte Aussagen zur Ergiebigkeit, Endlichkeit und optimalen Nutzung der thermalen Ressourcen nie beprobter Standorte ermöglichen. Das Interesse der Ungarn an diesem Thema mit für sie strategischer Bedeutung ist groß, allerdings fehlen die Finanzmittel für entsprechende Eigenaktivitäten. Folglich bekommen die neuen Partner kostenfreien Zugang zu den wissenschaftlichen Ergebnissen im Gegenzug für ebenfalls kostenfreie Mitarbeit bei der Material- und Datenbeschaffung. Beide Seiten betrachten das als Investition in die Zukunft.

Ende 2005 läuft die Förderung für das Projekt mit etwa zehn deutschen Akteuren aus. „Bis dahin muss unser Bewertungsmodell stehen", gibt Projektleiter Thomas Lange die Zielmarke vor. Sein erst im Sommer 2003 aus dem ostdeutschen Ingenieurbetrieb C & E ausgegründetes Unternehmen verspricht sich davon ein wichtiges Stück Zukunft. Über Workshops in verschiedenen ungarischen Regionen sollen dann Mittel für weitere Arbeiten vor Ort akquiriert werden. Schon hat ein staatliches Hydrologie-Institut Interesse an gemeinsamen Arbeiten bekundet.

Längst reicht der Blick der sächsischen Experten jedoch über die magyarischen Grenzen hinaus. Regional angepasst, wäre das gewonnene Know-how auch in Bulgarien, Slowenien oder Bosnien und selbst in Bayern problemlos nachnutzbar.

 

C & E ANALYTIK- UND UMWELT DIENSTLEISTUNGS GMBH CHEMNITZ

www.cue-chemnitz.de

MITARBEITER 2003 16, davon 9 Entwicklungsingenieure

UMSATZ 2004: 400.000 Euro

Plan 2005: 700.000 Euro

entnommen aus: I-PROM 0412004



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